Der Inanna-Mythos

Inanna-Mythos: Inanna, die allumfassende sumerische Göttin

Inanna ist eine sehr mächtige Göttin. Sie ist die Göttin der Liebe und des Krieges, sie ist die Göttin des Himmels und der Erde und auch die Stadtgöttin von Uruk.

Inanna lebt voller Selbstverständlichkeit ihre Sinnlichkeit, ihre Weiblichkeit, ihre Schönheit und ihre Macht. Daher kann sie uns heute eine Vorbild sein, wenn die Schere der patriarchalen Konventionen, die in unseren Köpfen manchmal aktiv ist, uns von unserer vollumfänglichen weiblichen Kraft abschneidet.

Zu Inannas Zeiten wurde die Welt noch als polar und nicht als dual verstanden. Hell und dunkel, Licht und Schatten, Oberwelt und Unterwelt sind keine Gegensätze – wie Himmel und Hölle in der patriarchalen Weltanschauung – sondern Pole, zwischen denen wir ständig hin und her pendeln.

Und so begibt sich Inanna im 4. Teil des Inanna-Mythos aus freien Stücken in die Unterwelt – um ihre Schatten anzuschauen.

Ischtar-Tor. Ein Bild eines Löwen. Eines der prächtigsten Stadttore des alten Babylon. Es steht mit dem Inanna-Mythos in Verbindung.

Der Inanna-Mythos der Sumerer wurde ca. 2000 v. Chr. in Keilschrift auf Tontafeln aufgeschrieben. Die sumerische Keilschrift ist neben den ägyptischen Hieroglyphen die heute älteste bekannte Schrift. Die Sumerer lebten zwischen Euphrat und Tigris. Das Gebiet gehört zum sog. fruchtbaren Halbmond, eine der Regionen der Erde, in denen die Landwirtschaft vor etwa 13.000 Jahren zuerst entstand. Der Inanna-Mythos reicht bis tief in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück. Er ist einer der ältesten aufgeschriebenen Mythen. Gleichzeitig weist er auch weit in die Zukunft, wo der weibliche Archetyp (der in Männern und in Frauen zu Hause ist) wieder in seiner vollen Kraft erstrahlen darf.

Und: Auch damals ging es schon um Beziehungen – zwischen Mann und Frau und zwischen Familienangehörigen – neben anderen tief greifenden Themen.

Inanna in der Unterwelt

Inanna ist der sumerische, Ischtar der akkadische Name der Göttin. Sie ist die älteste große Liebesgöttin, die wir kennen. Viele der Liebesgöttinnen, in Griechenland, Rom, in Nordeuropa, gehen auf das Ur-Bild der sumerisch / babylonischen Inanna / Ishtar zurück. Inanna ist auch die Stadtgöttin von Uruk, einer führenden Stadt im ausgehenden 4. Jahrtausend v. Chr.

Inanna ist die Göttin des Himmels und der Erde. Inanna ist die Göttin des Himmels und der Erde. Sie besitzt die 14 ME, die Gesetzestafeln, die die heiligen Gesetze von Himmel und Erde von ganz Sumer zum Inhalt haben. Inanna / Ischtar ist eine sehr menschliche, sehr weibliche und dazu eine explizit verlockend attraktive Göttin. Sie hat eine eigene Stimme, einen eigenen Willen und wird durchaus als sehr eigensinnig beschrieben.

Das bekannte Ischtar-Tor war eines der Stadttore von Babylon. Ein Nachbau des Ischtar-Tors ist seit 1930 im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen.

Die Göttin Inanna kommt in vielen verschiedenen Mythen der Sumerer vor. Oft zusammengefasst werden vier Texte: Inanna und der Huluppu-Baum, Inanna und Enki, Liebeswerben und Hochzeit mit Dumuzi sowie Inannas Abstieg in die Unterwelt und die daraus resultierenden Folgen. Es gibt viele Versionen dieses Mythos.

Ich orientiere mich an der Nacherzählung von Heide Göttner-Abendroth in ihrem Buch Inanna – Gilgamesch – Isis – Rhea, Die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands, Ulrike-Helmer-Verlag 2004 sowie an dem Buch “Inanna. Queen of Heaven and Earth. Her Stories and Hymns from Sumer” von Diane Wolkstein und Samuel Noah Kramer.

Hier ein kurzer Überblick über den Inanna-Mythos.

Der Inanna-Mythos Teil 1:

Inanna und der Huluppu-Baum

Inanna ist eine sehr mächtige Göttin. Sie beherrscht den Himmel und die Erde. Sie ist auch die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit sowie die Stadtgöttin der großen Stadt Uruk. Der Weltenbaum, der Huluppu-Baum ist umgestürzt. Naturgewalten haben ihm entwurzelt. Inanna nimmt sich seiner an und pflanzt ihn in ihren Garten. Später lässt sie sich aus seinem Stamm Thron und Bett zimmern.

Ein starker Baum mit festen Wurzeln

Der Inanna-Mythos Teil 2:

Inanna und Enki, der Gott der Weisheit

Nachdem sie Thron und Bett aus dem Weltenbaum gezimmert bekommen hat, setzt sich Inanna selbst die Krone auf den Kopf. Sie bestaunt ihre Vulva, als sie nackt an einen Apfelbaum gelehnt sitzt.

Dort fasst sie den Entschluss, Enki, den Gott der Weisheit, zu besuchen. Enki ist ein älterer Verwandter von ihr im sumererischen Götterstammbaum. Enki begrüßt Inanna freudig und respektvoll. Er empfängt Inanna an der heiligen Tafel, der Himmelstafel. Dann trinken beide Bier. Sie trinken viel Bier. Sie trinken noch mehr Bier miteinander.

Als Enki vom vielen Trinken schon bedenklich schwankte, übergibt er Inanna nach und nach die 14 ME. Die 14 ME sind die heiligen Gesetze von Himmel und Erde. Dazu gehören z.B. die Hohepriesterschaft, Göttlichkeit, díe herrliche, ewige Krone, Wahrheit, Abstieg in die Unterwelt, Aufstieg aus der Unterwelt, die Liebeskunst usw. Inanna nimmt sie alle an. Als Enki wieder nüchtern ist, möchte er die ME zurück.

Aber Inanna verteidigt diese zusammen mit ihrer Dienerin und Gefährtin, der Göttin Ninschubur. Sie lässt sogar Hochwasser durch die Straßen von Uruk fließen. Und so gelangen die 14 ME nach Uruk und werden dem Volk vorgeführt. Da bekommt Inanna noch mehr ME: das Platzieren schmückender Gewänder, Verlockung, die Kunst der Frauen u.a.  Enki sagt nun, dass die ME in Uruk bei Inanna verbleiben sollen und wünscht der Stadt Uruk alles Gute.

Der Inanna-Mythos Teil 3:

Liebeswerben und Hochzeit mit dem Hirtengott Dumuzi

Als sie so in der Fülle ihrer Macht und Kraft steht, heiratet Inanna den Hirtengott Dumuzi. Das Liebeswerben von Dumuzi und Inanna wird ausführlich illustriert. Es geht um dicke Milch, süßen Käse, um ein heiliges Butterfass, das mit honigsüßem Käse gefüllt wird, es geht um Honig, um einen Obstgarten, um Korn, um Überfülle!

Es gab noch einen Ackerbauern als Bewerber, den Inanna lieber gehabt hätte. Aber die Mutter und der Bruder von Inanna wählen den Mann für sie aus – wie das in matriarchalischen Gesellschaften wohl üblich ist. Und so macht sich Inanna schön für Dumuzi, den Hirtengott.

Hier ein Ausschnitt, aus dem Englischen übersetzt nach dem Buch “Inanna. Queen of Heaven and Earth” von Diane Wolkstein, S. 42 ff.

Inanna breitete ihr Brauttuch über das Bett.

Sie rief dem König zu:
“Das Bett ist bereitet!”
Sie rief ihrem Liebsten zu:
“Das Bett erwartet uns!”

Er legte seine Hand in ihre Hand.
Er legte sein Herz an ihr Herz.
Süß ist es Hand in Hand zu schlafen.
Noch süßer aber Herz an Herz zu schlafen.

Inanna sprach:
Ich habe mich gebadet für den wilden Stier,
Ich habe mich gebadet für den Hirten Dumuzi,
Ich habe meine Flanken mit Salböl parfümiert,
Ich habe meinen Mund mit wohlriechendem Bernstein bedeckt,
Ich habe meine Augen mit Kajal bemalt.

Er formte meine Lenden mit seinen klaren Händen,

Der Hirte Dumuzi füllte meinen Schoß mit Sahne und Milch,
Er streichelte meine Schamhaare,
Er wässerte meinen Schoß,
Er legte seine Hände auf meine heilige Vulva,
Er machte mein schwarzes Boot mit Sahne geschmeidig,
Er belebte mein schmales Boot mit Milch,
Er streichelte mich auf dem Bett.

Jetzt will ich meinen Hohepriester auf dem Bett liebkosen,
Ich will den treuen Hirten Dumuzi liebkosen.

Ich will seine Lenden streicheln, die Hirtenschaft des Landes,

Ich werde ein süßes Schicksal für ihn beschließen.

Mann und Frau mit ineinander verschlungenen Händen
Rosa Rose

Der Inanna-Mythos Teil 4:

Inannas Abstieg in die Unterwelt

Nach ihrer Hochzeit mit Dumuzi beschloss Inanna, in die Unterwelt hinabzusteigen. Dazu legte sie alle sieben Insignien ihrer Macht an, darunter die schmalen Lapislazuli-Ketten, das königliche Gewand sowie den goldenen Armreif.

Inannas Abstieg in die Untwelt: Eine Leiter führt fast senkrecht in eine Höhle hinein.

Ihre Gefährtin Ninschubur begleitete Inanna ein Stück des Wegs. Inanna bat Ninschubur, den Klagegesang anzustimmen, falls Inanna nicht zurückkehren sollte.

Als Inanna am äußeren Tor der Unterwelt ankam, klopfte sie an. Auf die Frage des Wächters, wer sie sei, sagte sie: „Ich bin Inanna, die Königin des Himmels und der Erde, auf meinem Weg in die Unterwelt.“

Der Wächter fragte, was sie auf dem Weg ohne Wiederkehr wolle. Inanna antwortete, dass ihre Schwester Ereschkigal sie sehen wolle.“ Ereschkigal ist eine ältere Schwester von Inanna und die Göttin des Todes. Sie wohnt in einem Palast aus Lapislazuli-Steinen. Der Palast ist von sieben dicken Mauern umgeben.

Und demnächst hier verfügbar: Mein E-Book zum Inanna-Mythos




Inhaltsübersicht

Einführung

1. Teil des Inanna-Mythos: Inanna und der Huluppu-Baum

2. Teil des Inanna-Mythos: Inanna und Enki, der Gott der Weisheit

3. Teil des Inanna-Mythos: Liebeswerben und Hochzeit mit dem

Hirtengott Dumuzi

4. Teil des Inanna-Mythos: Inannas Abstieg in die Unterwelt

Der Inanna-Mythos – Ein Kult-Drama aus der Zeit der Matriarchate

Was sind Matriarchate?

Der Inanna-Mythos stammt aus der Zeit der Matriarchate. Bevor auf dieser Erde die patriarchalen Zeiten begannen, lebten die Menschen in Matriarchaten. Im Matriarchat zieht der Mann zur Frau, darüber hinaus ist die Mutter der Frau bzw. die Matriarchin die zentrale Figur in der Familie. Über sie erfolgt die Abstammung.

Drei Generationen von Frauen

Sowohl der Mann als auch die Frau gehören auch nach der Hochzeit weiterhin ihrer jeweils eigenen Herkunftsfamilie an. Sie haben ihre Mutter und ihre Geschwister als wichtigste Bezugspersonen. In Matriarchaten wurde das Leben nicht als linear begriffen, sondern als zyklisch. Das Wohlergehen der Gruppe stand über dem Wohlergehen des Einzelnen. Der Zugang zum Göttlichen erfolgte durch Sinnlichkeit, durch körperliche Genüsse.

Wodurch zeichnen sich Matriarchate aus?

Bunte Figuren in einem Kreis symbolisieren Verbundenheit in Gemeinschaft in Matriarchaten

Geborgenes Aufwachsen in einer Gemeinschaft

Ein Baum mit starken Wurzeln

Verehrung der Erde als Göttin

Der Zyklus des Mondes mit neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond.

Das Leben wird als zyklisch verstanden

Großmutter - Mutter -Tochter: Drei Generationen von Frauen

Die Matriarchin als Oberhaupt der Familie

Eine ältere Frau vor einem Feld.

Den Frauen gehört das Land

Ein junges Liebespaar im Frühling

Der Mann zieht zur Frau oder bleibt in seiner Familie (Besuchsehe)

Welchen Bezug habe ich zur matriarchalen Lebensweise?

Dr. Grit Cornelia Ludwig mit einer Rose in der Hand

Ich bin Grit Cornelia Ludwig, Frau, Mutter, Tochter, Heilpraktikerin für Psychotherapie, promovierte Juristin und vieles mehr!

Ich arbeitete in den 2000er Jahren im Norden von Mosambik als Beraterin zivilgesellschaftlicher Organisationen und erhielt dort beim Volk der Makua Einblick in eine matrilineare Lebensweise. Bei der matrilinearen Lebensweise zieht der Mann zur Frau bzw. zur Familie der Frau. Ich bin ursprünglich Juristin und organisierte Seminare über Recht, unter anderem über Familien- und Erbrecht. Das Familien- und Erbrecht der Makua unterscheidet sich vom staatlichen mosambikanischen Recht, das auf einer patrilinearen Lebensweise beruht. Auch wenn es zwischen verschiedenen matrilinearen Gesellschaften Unterschiede gibt, so gewann ich doch eine Idee davon, wie die Beziehungen in den Familien bei matrilinearer bzw. matriarchaler Lebensweise aussehen.

Ich empfinde es als meinen Auftrag, meine Erkenntnisse über das Leben in einer matrilinearen Gesellschaft zu verbreiten. Die patriarchalen Zeiten auf dieser Erde gehen langsam zu Ende. In der neuen Zeit dürfen männliche und weibliche Energie gleichermaßen erstrahlen. Da die weibliche Energie im Patriachat unterdrückt wurde, finde ich es sehr hilfreich, an die Zeiten anzuknüpfen, in denen die weibliche Energie in ihrer vollen Blüte stand! Dabei wünsche ich mir die Zeit der Matriarchate keineswegs zurück. Denn in ihnen wurde die männliche Energie unterdrückt und das ist keinen Deut besser als die Unterdrückung der weiblichen Energie (in Männern und in Frauen) im Patriarchat. In der neuen Zeit dürfen wir uns aus allen Stufen der Bewusstseinsentwicklung das Beste aussuchen!