Geburtstrauma verarbeiten
Jede Geburt ist traumatisch, denn vom Prinzip her ist jede Geburt mit Lebensgefahr für Mutter und Kind verbunden. Das Baby inkarniert sich auf der Erde und das ist mit einem Weg durch den schmalen Geburtskanal verbunden. Nach der Geburt muss das Baby das Geburtstrauma verarbeiten.
Geburtstrauma verarbeiten direkt nach der Geburt
Gelingt eine Geburt ohne größere Schwierigkeiten, dann hat die Mutter Kraft, ihr Baby sofort nach der Geburt mit offenen Armen zu empfangen. Die Mutter öffnet auch ihr Herz weit für das Neugeborene und empfängt es mit ihrer ganzen Mutterliebe. Das Baby ruht sich an der Brust der Mutter aus und hört den Herzschlag und den Atemrhythmus der Mutter, den es schon aus dem Mutterleib kennt. Es fühlt sich geborgen und kann die Anspannung loslassen. Auf diese Weise kann das Baby die Geburtserfahrungen verarbeiten, vor allem die Angst, die es vielleicht im Geburtskanal hatte.
Fühlt sich das Baby für mehrere Wochen nach der Geburt auf diese oder ähnliche Weise geborgen, dann hat es einen sicheren Raum, in dem es das Geburtstrauma verarbeiten kann. Denn ein Trauma ist ein überwältigendes Ereignis, das die Integrationsfähigkeit des Körpers im Moment des Erlebens übersteigt. Man braucht dann im Nachgang des traumatischen Erlebnisses einen sicheren Raum, damit das Gehirn Bilder und Gefühle, die immer wieder hochkommen, scheibchenweise anschauen, spüren und verarbeiten kann.
Geburt als Vorlage für alle Umbruchsphasen im Leben
Das Neugeborene braucht zwar zu 100% unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung, allein ist es hilflos. Aber es kommt mit einigen Überlebensinstinkten und Reflexen zur Welt, die es aktiv steuert, um zu überleben, sich zu binden und zu kommunizieren. Das Baby hat zum Beispiel einen Reflex, mit dem es die Brustwarze findet. Außerdem hat es einen Saugreflex und einen Greifreflex. Es kann schon riechen und sehen. Es kann mit unterschiedlichen Arten von Schreien kommunizieren, ob es Hunger hat, ob es sich unbehaglich fühlt oder ob es müde ist. Das Baby lutscht an seinem Daumen, um sich zu beruhigen usw.
Auch an der Geburt ist das Baby keineswegs nur als “Objekt” und passiv beteiligt, sondern es wirkt daran aktiv mit! Je nach Position im Becken muss es den Kopf beugen und drehen und wieder strecken, um durch die engste Stelle im Becken zu gelangen. Auch die Schultern positioniert das Baby aktiv anhand der Geburtswege.
Da unsere Geburt daher die erste “Umbruchssituation” in unserem Leben ist, bei der wir eine aktive Rolle einnehmen, bildet unsere Geburt die Vorlage für alle Umbruchssituationen im Leben. Das kann ein Jobwechsel, das Ende einer Paarbeziehung, ein Umzug o.ä. sein, eben eine Situation, in dem sich viel in unserem Leben ändert: eine neue Umgebung, neue Menschen in unserem Umfeld, neue Aufgaben usw.
In diesen Situationen wird das alte Programm, das sich bei der Geburt in unser Nervensystem eingegraben hat, abgerufen. Ist die Geburt gut verlaufen und konnte das Baby im Nachgang traumatische Situationen unter der Geburt verarbeiten, dann ist das Nervensystem auf Erfolg programmiert. Es ist ein Urvertrauen vorhanden, dass sich alles schon irgendwie zurecht ruckelt und am Ende alles gut ausgeht!
Was, wenn die Geburt nicht nach Wunsch verlief?
Doch leider verlaufen Geburten und die anschließende Bindungsphase zwischen Mutter und Kind nicht immer ungehindert ab: Komplikationen, vital bedrohliche Zustände bei Mutter und/oder Kind; zu früh oder zu spät eingeleitete Geburten; Kaiserschnittgeburten; Trennung und Isolation nach der Geburt; schwierige oder feindliche Umgebungen für die Mutter und/oder Kind, etc.
All diese Ereignisse können seelische Wunden hinterlassen, die dann dazu beitragen, dass die Geburt im Körper nicht wie die erfolgreiche Bewältigung einer schwierigen Aufgabe abgespeichert wird, sondern als eine vage Erinnerung an Überforderung, Bedrohung, Auswegslosigkeit Ohnmacht und Verzweiflung. Hat man solche Erinnerungen im Körper gespeichert, dann werden Phasen des Umbruchs im Leben von starken unterbewussten Ängsten und einem mulmigen Gefühl begleitet. Diese werden oft als irrational erlebt, da sie der eigenen Biographie nicht klar zugeordnet werden können.
Geburtstrauma verarbeiten im Erwachsenenalter
Die gute Nachricht ist:
Die Systemische Selbstintegration nach Dr. Langlotz bietet einen Rahmen, um das Geburtstrauma zu verarbeiten. In der Aufstellung werden die im Unterbewusstsein abgespeicherten alten Gefühle dem Bewusstsein zugänglich. Dadurch besteht die Chance, diese nun zu spüren und aus dem Körper auszuschleusen.
Das innere Kind, das noch immer in der Erstarrung in der traumatischen Geburtssituation “hängt”, wird dort herausgeholt. Es bekommt Kontakt zum wahren Selbst der Mutter. Das ist ein Kontakt von Herz zu Herz, den das Neugeborene für eine längere Zeit nach der Geburt gebraucht hätte, dann hätte es direkt nach der Geburt das Geburtstrauma verarbeiten können. Die erwachsene Person von hier und heute bietet dem inneren Kind nun einen sicheren Raum, so dass es vital und lebendig sein kann.
Das Geburtstrauma wird in der ca. zwei Stunden dauernden Systemaufstellung aus dem eigenen Raum entfernt. Dann steht es neuen Wegen in Umbruchssituationen nicht mehr entgegen. Das Nervensystem wird neu ausgerichtet. Die in der Aufstellung gemachten Erfahrungen können dann im Leben abgerufen werden.
Was, wenn man nichts über seine Geburt weiß
Wie unsere Geburt war, wissen wir nur aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern. In Fällen wie dem Geburtstrauma, in denen traumatische Erfahrungen nicht bewusst erinnert werden können, kann man auch mit dem blockierenden Element arbeiten. Dadurch lässt sich feststellen, ob ein Geburtstrauma noch aktiv abgespeichert, oder ob es schon aufgelöst ist. Hinweise auf ein Geburtstrauma können Bilder von weißen Kitteln, grellem Licht, schreienden Babys oder etwa Gefühle von Abgeschnittensein, Verlassenheit, Angst und Hilflosigkeit sein.
Auch bei Schwierigkeiten in Umbruchssituationen kann man mit dem blockierenden Element herausfinden, ob die Ursache dafür ein Geburtstrauma ist.
Fallbeispiel: Geburtstrauma blockiert Beziehung zur Tochter
Britta hat eine 16jährige Tochter, die sich seit den letzten 12 Monaten extrem von ihrer Mutter abgrenzt. Das ist ihre Aufgabe beim Erwachsenwerden und Britta freut sich im Grunde darüber, dass die Tochter in ihre eigene Kraft kommt. Dennoch stellt es für die Mutter eine Herausforderung dar, da sie bis dahin eine sehr enge Beziehung zu ihr hatte.
Britta sieht auch, dass ihre Tochter die Abgenzung viel Kraft kostet und sie möchte sie nicht in der Erlangung ihrer Eigenständigkeit behindern. Mit dem Anliegen, die Beziehung zu ihrer Tochter zu klären, macht Angelika eine Systemaufstellung nach der Methode der Systemischen Selbst-Integration nach Dr. med. Ero Langlotz.
Im Laufe der Aufstellung ergibt sich, dass die Beziehung von Mutter und Tochter durch das Geburtstrauma von Britta während ihrer eigenen Geburt blockiert ist. Dieses Trauma wurde bei der Geburt ihrer Tochter wiederum getriggert.
Britta war bei ihrer Geburt zwei Wochen über der Zeit gewesen.Während der Geburt wurde der Mutter Druck gemacht, denn die Hebamme wollte nach Hause, weil sie Feierabend hatte. Britta hatte immer das Gefühl, dass sie noch nicht geboren werden wollte. Die Wehen der Mutter waren nicht ausreichend, der Vater hat sie „rausgeschoben“.
In der Aufstellung wird nun das Geburtstrauma angeschaut und es ergibt sich noch, dass dieses Geburtstrauma mit einem Trauma der Mutter verbunden ist, die Brittas älteren Bruder aus gesundheitlichen Gründen abtreiben musste.
In der Aufstellung werden beide Traumata aus Brittas Raum entfernt. Der Bruder, für den Britta bisher teilweise stellvertretend gelebt hat, wird verabschiedet. Nun kann Britta das Geburtstrauma verarbeiten, indem sie alle hochkommenden Gefühle spürt, die sie damals nicht spüren konnte, weil sie so überwältigend waren. Dies schafft Raum dafür, dass Britta ihr eigenes Leben leben kann. Außerdem steht ihr die Energie, die bisher in den Traumata gebunden war, für ihre Selbstverwirklichung zur Verfügung.
Fallbeispiel vom Youtube-Kanal meines Ausbilders und des Entwicklers der Methode der Systemischen Selbst-Integration Dr. med. Ero Langlotz: https://www.youtube.com/watch?v=oua2_-C8EDw
Zwei Fälle aus meiner Praxis
Fall 1
Frau L. kommt mit dem Anliegen zu einer Systemaufstellung, dass sie einen Glaubenssatz in sich trägt, sie „schaffe es nicht allein“. Frau L. hat sich gerade selbständig gemacht und ist nun in einer Phase angekommen, wo sie Ängste vor der Zukunft überfallen.
Auf dem blockierenden Element spürt Frau L. zunächst, dass sie hin und her geworfen wird. Dann wird es plötzlich hell. Ich denke an eine Geburt und wir stellen die Mutter und das Krankenhaus dazu. Das fühlt sich stimmig an. Frau L. berichtet, dass ihre Mutter einen Wehentropf bekommen hatte, da die Wehen nicht ausreichten. Dies passt zu dem Glaubenssatz, denn die Geburt ist das erste Ereignis in unserem Leben, bei dem wir von der Abhängigkeit in die Selbständigkeit übergehen, bei dem wir es selbst in die Freiheit schaffen müssen. Wenn man das bewältigt hat, geht man ähnliche Schritte mit Selbstvertrauen an. Das Geburtstrauma wird aus dem Raum von Frau L. entfernt. Frau L. kann nun, nach so langer Zeit nach der Geburt, das Geburtstrauma verarbeiten.
Fall 2:
Den umgekehrten Glaubenssatz hat Antje (Name geändert), nämlich “sie müsse alles alleine schaffen”. Wir arbeiten mit dem blockierenden Element. Dort zieht es bei Antje erstmal die Kehle zusammen, sie hat das Gefühl, dass sie nicht gehört wird. Später fühlt Antje Druck auf den Ohren, es fühlt sich an wie unter Wasser. Das lässt mich an eine Geburtssituation denken. Antje berichtet, dass ihre Mutter nach ihrer Geburt Fieber hatte und sie deshalb nicht zur Mutter durfte.
Die Mutter selbst ist mit Kaiserschnitt geboren worden. Sie erzählt auch, dass sie zeitlebens das Gefühl hatte, dass sie auf der Erde noch nicht richtig angekommen ist. In einer Aufstellung der Systemischen Selbst-Integration entfernen wir Antjes Geburtstrauma und das Geburtstrauma der Mutter aus Antjes Raum. Negative Gefühle wir Alleingelassen-Werden entlässt Antje aus ihrem Körper. Wir holen das Willkommen-Heißen nach: Antjes inneres Kind wird auf das wahre Selbst der Mutter gelegt und spürt dessen Liebe.
Hier die Rückmeldung von Antje:
“Während meiner inneren Arbeit war ich auf einen Glaubenssatz gestoßen, den ich gerne auflösen wollte. Wer möchte schon gerne die Überzeugung herumschleppen immer alles alleine machen zu müssen? In einer Aufstellung mit Frau Dr. Ludwig gingen wir dem Thema auf die Spur. Überraschenderweise führte diese zu einem Geburtstrauma, das wir dann mit Hilfe der Systemischen Selbst-Integration bearbeiten konnten.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche unbewussten Blockaden man mit der Methode aufzuspüren vermag und wie einfühlsam und gleichzeitig klar Frau Dr. Ludwig dabei vorgeht. Ich schätze sie sehr und empfinde die Zusammenarbeit als äußerst bereichernd.”
Mögliche Anzeichen dafür, dass Du ein noch unverarbeitetes Geburtstrauma in Deinem inneren Raum hast:
- Du kommst schwer in die Gänge, wenn Du etwas Neues anfangen möchtest, z.B. die Bewerbung um einen neuen Job oder die Suche nach einer neuen Wohnung. Denn das sind Situationen, in denen sich das Leben ändert, so wie die Geburt die erste große Umbruchssituation im Leben war.
- Du bekommst einmal Angefangenes schlecht zu Ende. Hintergrund könnte sein, daß Du nach Deiner Geburt vielleicht nicht standesgemäß Willkommen geheißen wurdest und Dich daher selbst nicht von ganzem Herzen auf die Vollendung Deiner Werke freuen kannst.
- Du kommst oft zu spät. Hintergrund könnte sein, daß, wenn Du Dich irgendwohin aufmachst, der Weg Dich jedes Mal an den Geburtskanal erinnert. Wenn dort noch ein unverarbeitetes Hindernis lauert, mußt Du jedes Mal erst das Hindernis überwinden.
- Glaubenssätze wie: “Ich schaffe es nicht allein!” oder “Ich muss alles allein schaffen”. etc.
Die Methode der Systemischen Selbst-Integration ist eine Methode, mit der man auch an mit einem Geburtstrauma verbundene unbewusste, aber dennoch im Körper gespeicherte Erinnerungen herankommt und das Geburtstrauma verarbeiten kann.
Ich bin Dr. Grit Cornelia Ludwig und begleite Dich gern mit der Methode der Systemischen Selbst-Integration bei der Auflösung von Traumata.









