Kollektives Trauma und transgenerationale Weitergabe
Vom Beitrittstrauma der Ostdeutschen zur Wiedervereinigung in den Herzen
Der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 zog erhebliche Belastungen der ostdeutschen Bevölkerung nach sich. Während in der DDR Vollbeschäftigung bestand, führten die währungspolitischen und wirtschaftlichen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Beitritt in kurzer Zeit zu einer extrem hohen Arbeitslosenrate. Die wirtschaftliche Unsicherheit in einem sehr großen Anteil der ostdeutschen Bevölkerung war mit Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst in allen Bevölkerungsschichten verbunden. Das führte zu einer depressiven Stimmung in ganz Ostdeutschland Anfang der 1990er Jahre und hat bis heute Auswirkungen. Es könnte sich um ein kollektives Trauma handeln, das die Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre erlitten haben.
Was ist ein kollektives Trauma?
Trauma kommt aus dem Griechischen und heißt Verletzung, Wunde. Der Begriff wird nicht nur für Verletzungen der Psyche, sondern in der Medizin auch für körperliche Verletzungen verwendet. Zur Entstehung, Wirkung und Verarbeitung eines individuellen Traumas siehe meinen gleichnamigen Blog.
Ein Trauma, das eine einzelne Person erleidet ist ein sehr individuelles Erleben. Bei einer kollektiven Traumatisierung erleben viele Menschen unter den gleichen Einflüssen eine individuelle Traumatisierung. Bei einer Naturkatastrophe oder einem Bombenabwurf im Krieg beispielsweise sind viele Menschen gleichzeitig einem überwältigenden Ereignis ausgesetzt und erleben dieses als Kollektiv. Bei einem individuellen überwältigenden Ereignis kann es sein, dass keine Traumatisierung entsteht, weil die Umstände in der Folge des Ereignisses ein Verarbeiten der schrecklichen Situation erlauben. Bei einer kollektiven Traumatisierung ist dies kaum möglich, da alle Betroffenen mit der Verarbeitung ihres eigenen Traumas kämpfen und daher für andere Traumatisierte nicht ausreichend zur Verfügung stehen.
Kollektive Traumata sind nicht nur die erwähnten Naturkatastrophen oder Kriegsereignisse, die als überwältigende Ereignisse für das Kollektiv sichtbar sind. Hier eine der oft verwendeten Definitionen für ein “historisches Trauma”, wie ein kollektives Trauma auch genannt wird: Ein historisches Trauma ist ein komplexes und kollektives Trauma, das über Zeit und hinweg über Generationen von einer Gruppe von Menschen erlebt wird, die eine gemeinsame Identität, Zugehörigkeit oder Lebenslage haben (Mohatt, N. V., Thompson, A. B., Thai, N. D. & Tebes, J. K., 2014, Historical Trauma as Public Narrative, Social Science & Medicine, 106, S. 128 ff.).
Ebenso wie bei der Traumatisierung eines Individuums entsteht bei einer kollektiven Traumatisierung Vermeidungsverhalten, nun aber des Kollektivs. Verhaltensweisen der Vermeidung werden Konsens. Dieses Vermeidungsverhalten soll helfen, das kollektive Trauma nicht zu triggern. So galt nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland der Satz: “Schaut nach vorn und nicht zurück.” Durch fleißige Arbeit wurde das Land wieder aufgebaut. Leider ist dieser Überlebensmodus “Dem Elend entfliehen durch Fleiß.” auch heute noch im Kollektiv verankert. Dieses “Überleben durch den Haben-Modus” hat seine Kehrseite darin, dass das immer weitere Anhäufen materieller Güter zur Umweltzerstörung führt. Außerdem ist dieses “Immer-Beschäftigt-sein” eine gängige Betäubungsstrategie, die uns davon abhält, schmerzliche Traumata und unsere Verletzlichkeit von uns fernzuhalten. Kollektive Traumatisierungen sind oft auch die Traumatisierungen, die transgenerational weitergegeben werden, wie man am Beispiel der Traumatisierungen im 2. Weltkrieg in Deutschland sehen kann.
Wer ist ostdeutsch?
Wer ist eigentlich ostdeutsch? Diese Frage scheint leicht zu beantworten, ist sie aber nicht. Es gibt verschiedene Kategorien, die man anwenden kann: nach Wohnort, nach Geburtsort, nach Sozialisationshintergrund oder nach emotionaler Zugehörigkeit. Bei der Einteilung nach Wohnort geht es ausschließlich darum, wo jemand im Moment wohnt. Teilt man nach Geburtsort ein, sind alle ostdeutsch, die in der ehemaligen DDR oder in Ostdeutschland geboren wurden.
Bei der Einteilung nach Sozialisationshintergrund ist ostdeutsch, wer selbst in der DDR oder in Ostdeutschland geboren wurde oder mindestens ein Elternteil hat, das dort geboren wurde. Ostdeutsch nach emotionaler Zugehörigkeit ist, wer sich von den Menschen mit „Osthintergrund“ selbst in erster Linie als ostdeutsch und zwar in Abgrenzung zu gesamtdeutsch beschreibt. Abhängig von der Kategorie und je nachdem, welche Kriterien für die Definition herangezogen werden, variiert der Prozentsatz der Menschen, die in Deutschland als ostdeutsch eingestuft werden, zwischen 16,7 und 26,1 Prozent (Foroutan / Simon / Zajak, Wer ist hier eigentlich ostdeutsch, und wenn ja, wie viele? Zur Konstruktion, Wirkungsmacht und Implikation von Ostidentitäten, DeZIM Research Notes DRN #15, Oktober 2023).
Für die Frage „Wer ist ostdeutsch“ im Zusammenhang mit der kollektiven Traumatisierung der Ostdeutschen durch das kollektive Beitrittstrauma kommt es meines Erachtens darauf an, ob man selbst oder ein Elternteil in der DDR geboren wurde und / oder einen Großteil seiner Kindheit dort verbracht hat. In Westdeutschland Geborene, die Anfang der 1990er Jahre nach Ostdeutschland zogen, zählen nicht darunter. Ausreichend für die kollektive Zugehörigkeit ist es aber, wenn man selbst oder die Eltern zwischen 1989 und 1994 nach Westdeutschland übergesiedelt oder in ein anderes Land ausgewandert ist.
Ein kurzes Schlaglicht auf die Wirkungen der Maßnahmen rund um den Beitritt auf die Ostdeutschen
Die im Zuge des Beitritts der DDR zur BRD verabschiedeten Maßnahmen, darunter auch die Währungsunion, die bereits am 1. Juli 1990 vollzogen wurde, hatten erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Ostdeutschen. Hier nur ein kurzes Schlaglicht auf die kollektive Psyche der Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre. Die Entwicklung der Geburtenrate bezeugt die sehr weit verbreitete Hoffungslosigkeit und Zukunftsangst.
Zwischen 1990 und 1994 ging die Zahl der Geburten pro Frau auf dem Gebiet Ostdeutschlands von 1,52 im Jahr 1990 auf 0,77 im Jahr 1994 zurück. Das ist ungefähr eine Halbierung (statista, Zusammengefasste Geburtenziffer: Fertilitätsrate in Deutschland von 1990 bis 2025). Ein solcher extremer Rückgang der Geburtenrate wurde sonst nur in Kriegszeiten und der Zeit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 verzeichnet. In der BRD und Westdeutschland gab es nie einen solchen Rückgang der Geburtenrate in so kurzer Zeit (siehe die Statistik im Beitrag von Bujard, Geburtenentwicklung in Deutschland: Wie könnte der Negativtrend gestoppt werden?, Artikel vom 1.6.2026 auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung).
Die Erfahrungen der Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre – ein kollektives Trauma?
Eine Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Groningen und Barcelona, veröffentlicht im Jahr 2023, kommt zu dem Ergebnis, dass die Erfahrung der Wirtschaftskrise in Ostdeutschland Anfang der 1990er Jahre im Säuglings-, Kindheits- und Jugendalter mit einer schlechteren psychischen Gesundheit bei Frauen verbunden war. Dies gilt insbesondere für jene, deren Eltern während dieser Zeit arbeitslos waren (Bister / Spijker / Janssen / Vogt (2023). Scarred for Life? Early-Life Experience of the Post-Reunification Economic Crisis in East Germany and Physical and Mental Health Outcomes in Early Adulthood. Comparative Population Studies 48, 701-740).
Die Ergebnisse dieser Studie könnten ein Beleg für die These sein, dass die Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre ein kollektives Trauma erlitten haben.
Ein nicht geheiltes Trauma mindert unsere Fähigkeit, präsent und vollständig verkörpert zu sein. Es leidet darunter auch unsere Fähigkeit, auf andere einzugehen und uns mit ihnen auf gesunde Art verbunden zu fühlen. Traumatisierte sind anfälliger für Stress. Wird der Stresspegel zu hoch, sind Wutausbrüche, Vermeidung sozialer Kontakte, chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche etc. die Folgen. Ist der Stresslevel auf Dauer hoch, so führt dies zu Burnout, Angst- und Panikzuständen, Depressionen, chronischer Verspannung etc., aber z.B. auch einem inneren Gefühl von Abgeschnittensein. Damit das Trauma nicht getriggert wird, versucht die Person Trigger zu vermeiden, d.h. sich nicht in Situationen zu begeben, die das Trauma aktivieren.
Traumatisierte haben auch oft Schuldgefühle, sie fühlen sich selbst für das ihnen Widerfahrene verantwortlich. Die zum Trauma führenden Umstände rufen Erfahrungen extremer Wirkungslosigkeit hervor. Dadurch, dass sich Opfer selbst die Schuld geben, weichen sie der Erfahrung der Wirkungslosigkeit aus. Die Schuldgefühle verhindern aber eine Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Situation und der Verbannung des Traumas aus dem eigenen Raum.
Ob die Auswirkungen des Beitritts tatsächlich ein kollektives Trauma der Ostdeutschen hervorgerufen haben, wäre näher zu untersuchen.
Was, wenn die Ostdeutschen eine kollektive Traumatisierung erlitten haben?
Ein Trauma ist keine psychische Krankheit. Es kann aber zu psychischen Krankheiten wie Angststörungen und Depressionen und auch zu körperlichen Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
Abgesehen von den erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen, die der Beitritt der DDR zur BRD auf die ostdeutsche Bevölkerung hatte, wäre der richtige Prozess Anfang der 1990er Jahre zunächst der Abschied vom bisher Gewesenen, die Trauer und die Wut über die Zustände in der DDR gewesen. Erforderlich war der Abschluss der Revolution mit einer Bestrafung der real Schuldigen, die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und neuen Gesetzen, die eigenverantwortliche Neuregelung der Wirtschaft und der Eigentumsverhältnisse sowie eine ausführliche gesellschaftliche Diskussion über die politische und militärische Orientierung (Hans-Joachim Maaz: Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft, 2020, S. 203). Die Verabschiedung des Alten ist immer die Voraussetzung für einen Neuanfang. Zur Aufarbeitung und Verabschiedung der DDR-Vergangenheit wurde den Ostdeutschen aber keine Zeit gelassen.
Ich glaube, dass erst, wenn wir diese Prozesse nachholen – aussortieren, was war gut am persönlichen Leben in der DDR, was ist zu verurteilen usw. – erst, wenn wir über das Leben in der DDR reden, können wir diesen Prozess der Aussortierung nachholen. Das ist die Basis für eine neue, positive Gruppenidentität der Ostdeutschen. Der nächste Schritt wäre dann, zu schauen, was die Ostdeutschen in ein wiedervereinigtes Deutschland einbringen können. Auch dies ist bisher noch nicht erfolgt.
Erst, wenn die Ostdeutschen positiv und affirmativ zu Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland Stellung nehmen dürfen, können sie eine Gruppenzugehörigkeit entwickeln, die sich auch explizit von rechtsextremen Gruppierungen abgrenzt. Eine Gruppenzugehörigkeit kann zum Beispiel mit dem Akzent oder sprachlichen Codes, den Essgewohnheiten, Literaturbezügen oder Sozialisationshintergründen begründet werden (Foroutan / Simon / Zajak, Wer ist hier eigentlich ostdeutsch, und wenn ja, wie viele? Zur Konstruktion, Wirkungsmacht und Implikation von Ostidentitäten, DeZIM Research Notes DRN #15, Oktober 2023, S. 15).
Vom Beitrittstrauma zur Wiedervereinigung in den Herzen
In der Debatte um die deutsche Einheit geht es oft nur um bestehende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zwischen Ost und West. Eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Identitäten, mit der Verschiedenheit von Biografien in Ost- und Westdeutschland mit jeweils unterschiedlichen, aber für das Ganze wertvollen Erfahrungen, findet nicht statt.
Der nächste Schritt wäre eine differenzierte Auseinandersetzung darüber, ob und inwiefern der Vereinheitlichungsdiskurs und das Negieren ostdeutscher Identitäten dazu dient, Ungleichheiten unsichtbar zu machen und Differenzen, die für eine autonome und selbstbewusste Identitätsbildung notwendig sind, assimilatorisch zu verweigern (Foroutan / Simon / Zajak, Wer ist hier eigentlich ostdeutsch, und wenn ja, wie viele? Zur Konstruktion, Wirkungsmacht und Implikation von Ostidentitäten, DeZIM Research Notes DRN #15, Oktober 2023, S. 15).
Erst, wenn sich Ost- und Westdeutsche auf Augenhöhe begegnen (dürfen), wenn die Identität, die Herkunft und die Geschichte beider Gruppen (sowie auch anderer in Deutschland lebender Bevölkerungsgruppen) als verschieden, aber wertvoll für das Ganze angesehen wird, fällt die Mauer in den Köpfen und eine Wiedervereinigung kann stattfinden.
Der jetzige Status quo ist ein Beitritt der ehemaligen DDR zur (weiter bestehenden) BRD. Dies ist mit einer Kontinuität westdeutscher Identitäten, des Rechtsrahmens, gesellschaftlicher Entwicklungen und der Erwartung einer 100%igen Anpassung der Ostdeutschen an dieses bestehende System verknüpft.
Eine Vereinigung ist dagegen dadurch gekennzeichnet, dass beide Partner, die sich zusammenschließen, etwas aufgeben und gemeinsam etwas Neues begründen. Dies ist nun, 36 Jahre nach dem Beitritt, umso schwieriger, da sich inzwischen auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze viele negative Gefühle und Ressentiments angesammelt haben. Denn auch die westdeutsche “normale” Bevölkerung gehört keineswegs zu den Nutznießern des Beitritts der DDR zur BRD.
So wie damals bei der Wende in der DDR halte ich es für notwendig, Verantwortlichkeiten für die in den vergangenen 36 Jahren entstandenen Missstände klar zu benennen und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Es muss eine Phase des Bilanzziehens und des Spürens der auf beiden Seiten angestauten Gefühle stattfinden. Nur wenn die Menschen in Ost und West miteinander statt übereinander reden, können die auf beiden Seiten angehäuften Missverständnisse ausgeräumt werden.
Erst dann werden die Deutschen die Herzen füreinander wirklich öffnen und sich als Brüder und Schwestern EINES Volkes begegnen können! So, wie die Sprüche von dem EINEN Volk, die ab Januar 1990 aus der Wahlkampfschmiede von Helmut Kohl auf den Demonstrationen in der DDR völkerrechtswidrig über Staatsgrenzen hinweg lanciert wurden, dies verlautbarten.
P.S.: Zum Begriff “Beitrittstrauma”
Das kollektive Trauma, das die Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre möglicherweise erlitten haben, wird auch als “Wendetrauma” oder “Treuhandtrauma” bezeichnet. Der Begriff “Treuhandtrauma” wurde vor allem durch Yana Milev durch ihr gleichnamiges Buch geprägt.
Ich habe mich für den Begriff “Beitrittstrauma” entschieden, weil er für mich prägnant ausdrückt, durch welche politischen Maßnahmen das Trauma hervorgerufen wurde. So ist es auch in der stressorbasierten Psychotherapie wichtig, den Stressor exakt zu benennen. Der Stressor war jedenfalls nicht die Wende in der DDR, denn mit dieser befreiten sich die Bürgerinnen und Bürger der DDR vom DDR-Regime. Und obwohl die Treuhand mit der Schließung und “Verscherbelung” der ehemals volkseigenen Betriebe eine wichtige Rolle im Hinblick auf Eingriffe und Übergriffigkeiten spielte, wurden die Weichen für deren Tätigkeit sehr viel früher gestellt.
Ich beschäftige mich bekanntlich auch mit den Weisheiten alter Märchen und Mythen (siehe mein Buch “Die Kristallkugel – Märchen als Schlüssel zum wahren Selbst”). Es gibt ein bekanntes Märchen, in dem es unter anderem darum geht, wie befreiend es ist, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Es ist das Märchen “Rumpelstilzchen” von den Brüdern Grimm.
In dem Märchen muss die junge Königin den Namen des kleinen Männleins herausfinden, das ihr geholfen hat, Stroh zu Gold zu spinnen und dem sie als Gegenleitung ihr Kind versprochen hat. Sobald sie aber den Namen “Rumpelstilzchen” kundgibt, hat das kleine Männlein keine Macht mehr über sie. Es zerreißt sich selbst in der Mitte und verschwindet in einem großen Loch in der Erde!
Über mich
Ich bin Dr. Grit Cornelia Ludwig. Ich bin in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik geboren und aufgewachsen. Zu Wendezeiten war ich 14 Jahre alt. Schon damals hatte ich eine gute Intuition und Interesse für gesellschaftliche Prozesse. Ich las nicht nur die Zeitung, sondern bekam auch gefühlsmäßig mit, welche Prozesse gerade abliefen.
Als ich dann 1993 an die Universität Leipzig zum Jurastudium kam und in der Vorlesung Staatsrecht I hörte, wie die weitläufig propagierte sogenannte Wiedervereinigung in juristischer Hinsicht abgelaufen ist, nämlich als Beitritt und ganz anders als die Mütter und Väter des Grundgesetzes das 1949 vorgesehen hatten, fiel ich aus allen Wolken.
Seitdem lässt mich das Thema “Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland” nicht mehr los.
Während des Schreibens meiner Doktorarbeit an der Schnittstelle zwischen Bergrecht und Naturschutzrecht entdeckte ich, dass durch den Einigungsvertrag das westdeutsche Recht für das Gebiet der ehemaligen DDR nicht nur 1:1 übernommen wurde. Das bundesdeutsche Recht wurde sogar an einigen Stellen zu Lasten der Ostdeutschen verändert.
Von 2005 bis 2007 arbeitete ich als Beraterin zivilgesellschaftlicher Organisationen im Norden von Mosambik. Ich machte sehr bereichernde Erfahrungen, als ich als Ausländerin in einer ganz fremden Kultur lebte.
Nach meiner Rückkehr aus Afrika war ich viele Jahre als Wissenschaftlerin am Helmholtz – Zentrum für Umweltforschung tätig, bevor ich meiner Berufung folgte (wobei Berufung übrigens auch ein Weg ist).
Mehr über mich und meine Arbeit als Systemaufstellerin, psychologische Beraterin und Autorin erfahren Sie unter “Über mich”.
Anmeldung zu meinem Ostdeutschland-Newsletter
Meine Hypothese ist, dass die Ostdeutschen Anfang der 1990er Jahre ein kollektives Trauma erlitten haben.
Diese möchte ich in einem Buch näher untersuchen. das Buch soll spätestens 2029, zum 40. Jahrestag der Wende in der DDR erscheinen. Für Menschen, die mich während der voraussichtlich etwa zwei- bis dreijährigen Schreibphase unterstützen und einmal im Monat meine neuesten Erkenntnisse erhalten möchten, biete ich meinen Premium-Ostdeutschland-Newsletter an.
Ich möchte mithelfen, eine positive ostdeutsche Identität zu kreieren, die dabei hilft, sich durch eine Bejahung seiner Herkunft, seiner Wurzeln, seiner regionalen Besonderheiten hinsichtlich Sprache, Literatur, Ess- und Kochgewohnten etc. im irgendwann endlich im Herzen vereinten Deutschland aufgehoben zu fühlen.
Mit dem Newsletter möchte ich einen Raum schaffen, in dem ich mich frei ausdrücken kann – ohne gleich die Schere im Kopf anwenden zu müssen, was man sagen darf und was nicht.
Als Abonnentin / Abonnent meines Newsletters bekommen Sie die neuesten Inhalte aus meinen Recherchen und Forschungsarbeiten als Erste und direkt in Ihr Postfach. Es geht um Fakten: Wie wurde der Beitritt juristisch “eingetütet” und wie war es eigentlich im Grundgesetz vorgesehen?” “Welche politischen Maßnahmen führten zur Abwanderung von einem Viertel der ursprünglichen ostdeutschen Bevölkerung im Zeitraum 1991 bis 2017?” usw.
Darüber hinaus möchte ich die Auswirkungen auf die Psyche der Ostdeutschen einordnen – welche Wirkungen hatten die Maßnahmen damals? Welche Wirkungen halten bis heute an?
Ich möchte untersuchen, ob die Situation in Ostdeutschland Anfang der 1990er Jahre tatsächlich ein kollektives Trauma der Ostdeutschen hervorgerufen hat.
Der erste Newsletter ist am 15. September 2026 erschienen. Sie bekommen ihn zum kostenfreien Download in meinem Shop.
Möchten Sie meine jeweils neuesten Forschungsergebnisse, die ich am Ende in einem Buch zusammenfassen werde, immer ganz aktuell bekommen? Finden Sie mein Buchprojekt interessant und möchten Sie es unterstützen?
Ich habe auch einen “normalen” Newsletter, in dem es um alle Bereiche meiner Arbeit geht, vor allem um Systemische Selbst-Integration und die Weisheiten alter Märchen und Mythen. Auch in diesem werde ich immer wieder Einblicke in meine Arbeit an meinem Buch über das Beitrittstrauma geben. Zur Anmeldung geht es hier: https://gritludwig.de/newsletteranmeldung/
Danksagung
Ich danke allen Männern und Frauen, die mich beim Schreiben der Texte unterstützten und unterstützen fürs Raum halten, fürs Gegenlesen und für wertvolle Hinweise und Anregungen!
Fotonachweise: Canva
Das Bild mit der als Herz drapierten Deutschlandfahne ist KI-generiert.
Das Foto der alten Fabrik ist eine Aufnahme, die ich vom Feinkost-Gelände in Leipzig gemacht habe. Der Volkseigene Betrieb (VEB) Leipziger Feinkost wurde 1992 durch die Treuhandanstalt aufgelöst und stillgelegt. Er teilt dieses Schicksal mit vielen anderen Betrieben der ehemaligen DDR, denn etwa ein Drittel der 12.500 Betriebseinheiten wurden durch die Treuhandanstalt “abgewickelt”.













