Apfelgarten
Äpfel und Apfelbäume kommen in einigen unserer alten Märchen vor. Am bekanntesten ist wohl das “Schneewittchen” mit der vergifteten Apfelhälfte. Im “Eisenhans” muss der Jüngling drei goldene Äpfel fangen, die die Prinzessin wirft. Im “Mädchen ohne Hände” will der Müller seinen Apfelbaum dem Teufel versprechen, aber das Versprechen betrifft dann seine eigene Tochter. Frau Holle hat einen Apfelbaum und auch bei “Der Teufel mit den drei goldenen Haaren” kommt ein Apfelbaum vor.
Was bedeuten Apfelbaum und Apfel als Märchensymbol? Für unsere keltischen Vorfahren war der Apfel das wichtigste Obst. Er war die Speise, die während der kalten Jahreszeit gesund erhielt. Auch den Toten wurden Äpfel als Opfergaben mit ins Grab gegeben. Diese sollten die Auferstehung sichern. In der keltischen Mythologie ist der Apfel die Frucht der Unsterblichkeit, außerdem symbolisiert er Vollendung und Weisheit.
Bei den Römern stand die Göttin Pomona, die Apfel-Mutter, Fruchtbarkeit, Schöpfung und Vollendung. Ein Festessen begann mit einem Ei als Symbol der Fruchtbarkeit und endete mit einem Apfel als Symbol der Vollendung. Außerdem symbolisiert der Apfel wegen seiner Rundheit auch Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit, Ganzheit, Leben und Liebe. Die Ganzheit des Lebens besteht nicht nur aus Freude und Glück, sondern auch aus Aufgaben und Herausforderungen.
Wegen der lebensspendenden Wirkung des Apfels hatten alte (matriarchale) Göttinnen in vielen Kulturen einen Apfelgarten. Die Apfelinsel „Avalon“ ist bei den Kelten ein mystischer Ort, wie ein Paradies, wo die Zauberin Morgan lebt. Die griechische Göttin Hera besaß einen magischen Apfelgarten, in dem eine Schlange den Baum des Lebens bewachte. Das Paradies mit einem Apfelbaum und einer Schlange kommt auch in der Bibel vor – allerdings in einer Umkehrung der Symbolik (dazu später).
Auch die sumerische allumfassende Göttin Inanna hat einen Apfelbaum in ihrem Garten. Im zweiten Teil des Inanna-Mythos sitzt sie nackt an den Apfelbaum gelehnt und bestaunt ihre wundervolle Vulva. Denn aus dem Schoß der Frauen kommt eine große Schöpfungsmacht. Über die Gebärmutter sind die Frauen auch mit ihren Familien verbunden: Mit ihren Ahnen in der weiblichen Linie, mit ihren Männern und mit ihren Kindern.


