Birne
Die Birne als Märchensymbol kommt im Märchen „Das Mädchen ohne Hände“, aufgeschrieben von den Brüdern Grimm, vor. Unter dem Titel: „Die Jungfrau ohne Hände“ ist dieses Märchen auch Teil des Buches „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés.
Das Märchen „Das Mädchen ohne Hände“ ist dennoch nicht sehr bekannt. Es ist kein Kindermärchen, da es doch ziemlich zur Sache geht. Märchen waren ursprünglich für Erwachsene gedacht, wurden abends am Feuer erzählt, vermutlich von den alten Frauen, und fungierten ein Stück weit als Therapie. Im Patriarchat, das wir nun schon seit ca. 5000 Jahren in verschiedenen Ausprägungen auf dieser Erde erleben, ist jede Frau ein Stück weit in „Mädchen ohne Hände“.
Denn strukturell ist das Patriarchat so angelegt, dass es die weibliche Energie unterdrückt, zumindest Teile davon (übrigens wird auch die männliche Urkraft unterdrückt, wie uns das Märchen „Der Eisenhans“ lehrt). Das Fürsorgliche und Kümmern als mütterlicher Aspekt der weiblichen Energie wird gern genommen, aber die Eigenständigkeit als Frau, die Fähigkeit, genau das Leben zu leben, was frau sich vorgenommen hat, wird nicht so gern gesehen. Und das fängt in den Familien an. Den Grundstein dafür legen die Väter und Mütter, meist ganz unbewusst.
Im Märchen „Das Mädchen ohne Hände“ hackt der Vater seiner Tochter eigen-HÄNDig die Hände ab, die Tochter wird HAND-lungsunfähig. Vermutlich schaut die Mutter dabei zu, denn sie wird im Märchen erwähnt, aber das Märchen sagt nicht, dass die Mutter eingeschritten hätte. Sie war vermutlich selbst HAND-lungsunfähig. Nun ja, aber wie es in Märchen nun mal ist – auch dieses Märchen geht gut aus! Die Frau ohne Hände erlebt einige Herausforderungen und geht einen langen Weg. Aber sie trifft auch immer wieder Menschen und Wesen, die es gut mit ihr meinen. Und am Ende wird sie glücklich! Und auch ihre Hände wachsen wieder!
Eines der Wesen, die der Frau zugetan sind und ihr das Leben erleichtern, ist ein Birnbaum in einem Garten, der von Mondlicht beschienen wird. Die Birne erinnert an die Gebärmutter und ist daher Symbol für weibliche Fürsorge und Genährt-Werden. In der Gebärmutter sind wir aufgehoben, geborgen, müssen uns um nichts kümmern, werden mit allem versorgt, was wir brauchen. Auch der Garten und der Mond sind Symbole für das Weibliche, Nährende, Tröstende.

