Honig
Honig als Symbol in Märchen und in der Mythologie: Honig kommt in der Bibel 61 Mal vor. In alten Kulturen stand Honig in sehr hohem Ansehen, denn er ist ein Lebenselixier. In Exodus 3, 17 in der Bibel will Gott die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft befreien. Um sie dazu zu bringen, Ägypten zu verlassen, verspricht Gott ihnen ein Land, das vor Milch und Honig trieft.
Gott in der Bibel ist übrigens nicht männlich, wie uns das überliefert wurde, sondern namenlos, denn die Juden dürfen Gott nicht beim Namen nennen. Manchmal wird Gott in der Bibel auch als “sie” bezeichnet. Zum Beispiel steht in 1. Mose 2, 2: „Gott aber brachte das eigene Werk am siebten Tag zum Abschluss, indem sie am siebten Tag von all ihrem Werk ruhte, das sie getan hatte.“ Gott ist das (weibliche) Schöpfungsprinzip. Denn das Leben gebärt sich immer wieder neu. Alles fließt – panta rhei.
Zurück zum Honig. Honig gilt als Inbegriff der Reinheit der Seele, des Heilseins und des Wohlergehens. Selbst die Götter nährten sich davon. Als kleines Kind wurde Zeus, der griechische Göttervater, von der Nymphe Melissa mit Honig und Ziegenmilch gefüttert. In manchen Kulturen war Honig eine Grabbeigabe, die die Wiedergeburt in der anderen Welt sichern sollte. Wegen seiner keimtötenden Eigenschaften wurde Honig auch als Heilmittel verwendet, zum Beispiel bei Wundinfektionen, bei Husten und Bronchitis. Außerdem spendet Honig Kraft für Körper und Geist und wird daher als Aufbaumittel eingesetzt, entweder zur Leistungssteigerung oder nach zehrenden Krankheiten.
Honig kommt in der Bibel auch im Hohelied des Salomo vor (Kap. 4, 11): „Von deinen Lippen, meine Braut, träufelt Honigseim. Honig und Milch sind unter deiner Zunge.“ Im Inanna-Mythos spielt Honig beim Liebeswerben von Inanna und Dumuzi eine Rolle: „Mein Honig-Mann macht es mir so süß, seine Hand ist Honig, sein Fuß ist Honig, er ist der, den mein Schoß am meisten liebt.“ Beide Texte sind übrigens Teil der altorientalischen Liebeslyrik. Denn im alten Orient galt Sinnlichkeit als Zugang zum Göttlichen und Erotik und Sexualität wurden ein hoher Stellenwert zugemessen.
Im Märchen „Die Bienenkönigin“ von den Brüdern Grimm soll der Jüngling herausfinden, welche der Prinzessinnen Honig gegessen hat, bevor sie sich schlafen legte, denn das ist die liebste und jüngste der Prinzessinnen. Dieses Märchen hat altorientalische Wurzeln.

