Die Zahl 13
Zwölf weise Frauen sind zum Geburtsfest von Dornröschen eingeladen, die dreizehnte nicht. Die Zahl 12 symbolisiert in der Numerologie etwas Vollkommenes, Vollendetes, Ganzes. Wir haben zwölf Tierkreiszeichen in der Astrologie, zwölf (Sonnen-)Monate und ein Tag hat zwei Mal zwölf Stunden. Die Zahl 12 als die Ordnung der Vollkommenheit ist auch in der Bibel sehr präsent: Es gibt zwölf Stämme Israels und zwölf Jünger. Die Zahl 12 repräsentiert daher im „Dornröschen“ die bestehende, patriarchale Ordnung.
Die Zahl 13 geht dagegen über das Vollendete hinaus! Jetzt schlägt’s Dreizehn – und die bisherige Ordnung kommt durcheinander! Etwas Neues entsteht aus dem Chaos. Die Zahl 13 bedeutet Entwicklung, Wandlung, Transformation. In asiatischen Ländern gilt die Dreizehn als Glückszahl. Sie löst die Strukturen der Zwölf auf und ermöglicht so den Übergang auf eine höhere Ebene. Im Tarot ist die 13. Karte der Tod. Wenn man diese Karte zieht, bedeutet das aber nicht, daß etwas endgültig abstirbt. Nein, es geht darum, daß etwas Altes sterben muß, damit etwas Neues entstehen kann. Der Tod gehört zum Leben. Der Humus, zu dem die abgestorbenen Blätter im Herbst werden, bildet den Nährboden für die jungen Pflanzen im Frühling!
Darüber hinaus ist die Zahl 13 auch die Zahl der Weiblichkeit. Das Jahr hat dreizehn Mondmonate. Der Mond symbolisiert in der Astrologie das Weibliche. Alle Völker des Altertums (Inkas, Mayas, Ägypter u.a.) verwendeten Kalender mit 13 Monden mit jeweils 28 Tagen. Das sind 364 Tage. Der 365. Tag, der noch zum Sonnenjahr fehlt, ist zum Beispiel im Maya-Kalender der „Grüne Tag“. Das ist ein Tag, der ohne Jahr ist, ein Tag außerhalb der Zeit. Und auch von unseren Vorfahren ist noch der Ausdruck „nach Jahr und Tag“ überliefert, ebenfalls ein Hinweis auf den Kalender mit 13 Mond-Monaten (Barbara G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen, S. 709).
Die Zahl 13 ist außerdem mit der Venus verknüpft. Die Venus zieht im Laufe von acht Jahren ein Pentagramm, einen Fünfstern, um die Erde. In dieser Zeit umrundet sie dreizehn Mal die Sonne. Es vergehen also acht Erdenjahre und dreizehn Venusjahre, während die Venus einen Fünfstern um die Erde zeichnet. Die der Venus zugeordnete Zahlenkombination 5, 8, 13 bildet auch den mathematischen Code für den Goldenen Schnitt, der in Kunst und Architektur verwendet wird (Editha Wüst/Sabine Schieferle, Numerologie, S. 45 f.).
Die Venus verkörpert unter anderem Liebe, Sicherheit und Schönheit. Die nordische Göttin der Liebe war Freya. Ihr ist der Freitag gewidmet. Er war früher ein Feiertag für die Frauen. Wenn der 13. Tag eines Monats auf einen Freitag fiel, war noch mehr weibliche Kraft vereint und die Mächtigen im Patriarchat bekamen Angst. Daher verschrien sie alle Freitage, die auf einen Dreizehnten fallen, als Unglückstage.
Insgesamt steht die Zahl 13 also für Qualitäten, die viele Menschen fürchten: das Erwachen des Bewußtseins, den Zusammenbruch des bisherigen Weltbildes, Verwandlung, Transformation, Umbruch, Abschied, Tod, Neubeginn und persönliche Weiterentwicklung. Da das Patriarchat nun zu Ende geht, dürfen wir der Zahl 13 nun wieder den ihr gebührenden Platz einräumen. Dadurch ehren wir auch das Weibliche.

