Perlen
Perlen begegnen uns im Märchen „Die Bienenkönigin“ von den Brüdern Grimm und in “Die Perlenkönigin” von Ludwig Bechstein. Im Märchen “Die Gänsehirtin am Brunnen” weint die jüngste Tochter Perlen und Edelsteine satt Tränen. Der Vater bittet die drei Töchter, ihre Liebe zu ihm mit etwas zu vergleichen. Hintergrund ist die Aufteilung des Erbes. Die Älteste vergleicht ihre Liebe zum Vater mit Zucker, die Mittlere mit ihrem schönsten Kleid. Die Jüngste meint, sie könne ihre Liebe zum Vater mit nichts vergleichen. Auf sein Nachhaken entscheidet sie sich für Salz. Dem König gefällt das nicht. Er verstößt die jüngste Tochter. Das Erbe wird zwischen den beiden Älteren aufgeteilt. Später bereut der König, dass er seine jüngste Tochter fortgejagt hat. Die Eltern finden sie am Ende wieder. Sie braucht aber kein Erbe, denn durch die geweinten Perlen und Edelsteine ist sie reich. Außerdem bekommt sie noch ein Schloss geschenkt.
Perlen symbolisieren weibliche Schönheit, Verführung, Anmut und Eleganz. In der Antike galten Perlen als Verkörperung des Weiblichen, da sie der Sage nach aus zwei weiblichen Kräften entstehen: dem Mond und Wasser (Barbara G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen, S. 946). Perlen sind in ihrer natürlichen Umgebung selten und daher sehr kostbar. Außerdem sind sie sehr rein, denn sie wachsen im Inneren der Auster, wo sie geschützt sind.
Die Auster erinnert an das weibliche Geschlechtsorgan. Im Tantra ist das Perlentor daher der „Zugang zum Himmel“ und zwar über den weiblichen Körper. In der Bibel, in der Offenbarung des Johannes (Off 21, 21), bilden Perlentore nach dem Untergang des alten Jerusalem in der Apokalypse den Eingang zum neuen Jerusalem. Vielleicht bedeutet das, daß nach dem Untergang des alten Jerusalem Sinnlichkeit wieder der Zugang zum Göttlichen darstellt.
Apokalypse heißt übrigens „Enthüllung” oder „Offenbarung“, wie dieses letzte Buch der Bibel auch genannt wird. „Apokalypse“ hat nichts mit Weltuntergang zu tun; diese Interpretation wurde erst später mit dem Begriff verknüpft. In der Apokalypse wird uns vielmehr etwas enthüllt, was schon immer da war. Es war nur verschleiert. Die Apokalypse lüftet den Schleier und wir schauen bisher unbekannte Zusammenhänge.

