Fee
Die 13. Fee im Märchen: In der Urfassung von „Dornröschen“ aus dem Jahr 1812 kamen noch dreizehn „Feen“ statt „weise Frauen“, wie in der von mir verwendeten Fassung aus dem Jahr 1837 vor. Die Feen oder weisen Frauen waren eingeladen, um dem Dornröschen ihre guten Wünsche zu überbringen und mit ihrer Gedankenkraft zu manifestieren. Von der „weisen Frau“ ist es übrigens nicht weit bis zur „Weißfrau“, früher eine andere Bezeichnung für Hebamme. Im Französischen heißt die Hebamme noch „weise Frau“, nämlich „sage-femme“. Auch Hebammen sind Grenzgängerinnen. Sie helfen dem Baby bei seiner Geburt, die Weltengrenzen zu passieren. Ein gutes Maß an Intuition, medizinischen Kenntnissen, aber auch Kräuterkunde braucht die Hebamme, um Mutter und Kind bei der Geburt gut zu assistieren. Und so verwundert es nicht, daß der Hexenverfolgung auch und gerade Hebammen zum Opfer fielen.
Apropos Hexe: Das neuhochdeutsche Wort „Hexe“ geht zurück auf das althochdeutsche „hagazussa“. Die genaue Bedeutung dieses Wortes ist ungeklärt, jedenfalls kommt das Wort „Hag“ darin vor. Der Hag trennte die bekannte und die unbekannte Welt, Kultur und Natur, Zivilisation und Wildnis (siehe bei „Dornenhecke“). Der Hag ist auch im Kopf: Er markiert die Grenze zwischen der rationalen und der irrationalen Wirklichkeit. Die „hagazussa“ ist diejenige, die aus der alltäglichen Wirklichkeit aus- und in die Anderswelt eintritt. Hexen sind also Grenzgängerinnen zwischen der menschlichen und der Anderswelt (Thomas Höffgen, Schamanismus bei den Germanen, S. 85).
Im Englischen wurden Hexen sowohl als „hags“ wie auch als „fairies“ bezeichnet. Im Wort „hag“ klingt wieder der Hagedorn an; „fairies“ kann man auch mit „Feen“ übersetzen. Feen, Hexen und weise Frauen: Heute dürfen wir die damals Ausgeschlossenen, die sich mit den Themen der Zahl 13, mit Geburt, Tod und Verwandlung befaßten, wieder in unsere Herzen nehmen!

