Inanna, die allumfassende sumerische Göttin
Der Inanna-Mythos wurde vor ca. 4000 Jahren in sumerischer Keilschrift auf Tontafeln aufgeschrieben. Er ist einer der ältesten bekannten Mythen der Menschheitsgeschichte. Inanna ist der sumerische und Ischtar der akkadische Name der Göttin. Der Inanna-Mythos entführt uns in eine matriarchale Kultur. Denn bevor sich die Patriarchate auf unserer Erde etablierten, lebten die Menschen in Matriarchaten. Matriarchat bedeutet „Herrschaft der Frauen“. Und wie immer, wenn eine Gruppe Menschen andere beherrscht, gab es auch viel Unrecht.
Also, die Matriarchate waren keineswegs besser als die Patriarchate. Beides Phasen in der Bewußtseinsentwicklung der Menschheit. Vor den Matriarchaten gab es aber wohl Zeiten, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt und in gegenseitigem Respekt miteinander zusammen lebten. Inanna kann uns heute dennoch als Vorbild dienen, denn sie zeigt uns, wie es ist, die weibliche Energie vollumfassend zu leben, auch, wenn Inanna manchmal über das Ziel hinausschießt. Von Inanna können wir lernen, wie wir als Frauen sehr selbstverständlich alle Aspekte der weiblichen Energie leben.
Inanna ist eine sehr mächtige Göttin. Sie ist die Göttin des Himmels und der Erde. Inanna ist die Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und gleichzeitig auch des Krieges. Sie ist außerdem die Stadtgöttin von Uruk, einer führenden Stadt im ausgehenden 4. Jahrtausend vor Christus. Inanna besitzt die ME, die Gesetzestafeln, die die heiligen Gesetze von Himmel und Erde von ganz Sumer beinhalten. Als allumfassende Göttin vereinigt Inanna in sich eine Fülle weiblicher Aspekte. Sie lebt sehr selbstverständlich ihre Sinnlichkeit, ihre Schönheit und ihre Macht.
Viele der (späteren) Göttinnen in Griechenland und Rom gehen auf das Urbild der sumerisch-babylonischen Inanna/Ischtar zurück. Ihre umfassenden Eigenschaften wurden mit der Entwicklung des Patriarchats auf verschiedene Göttinnen aufgespalten oder gar nicht mehr einer weiblichen Gottheit zugeordnet. So ist zum Beispiel in der griechischen Götterwelt Aphrodite die Göttin der Liebe und der Schönheit, Artemis die Göttin der Jagd und des Wachstums, Pallas Athene die Göttin der strategischen Kriegsführung und Ares der Gott des schrecklichen Krieges.
Die Göttin Inanna kommt in vielen verschiedenen Mythen der Sumerer vor, zum Beispiel auch im recht bekannten Gilgamesch-Epos. Oft geht es in den Texten darum, wie Inanna ihre Macht demonstriert und auszuweiten sucht, wobei sie sich auch durchaus streitlustig zeigt (Manfred Krebernik, Götter und Mythen des Alten Orients, S. 64). Als „Inanna-Mythos“ werden vier Texte zusammengefaßt: „Inanna und der Huluppu-Baum“; „Inanna und Enki“; „Liebeswerben und Hochzeit“ sowie „Inannas Abstieg in die Unterwelt“.

